Facebook und Google – NSA 2.0

Leider wird es nun aus Zeitgründen doch (erstmal) nichts, mit dem versprochenen Open Knowledgeworker-Testbericht. Stattdessen geht es darum, was Facebook und Google eigentlich alles über uns wissen. Aber keine Angst, ganz so schlimm ist wie es in der Überschrift steht, ist es nun auch nicht. Schließlich können wir selbst mit entscheiden, was Facebook und Google über uns wissen (sollen) – aber eine Auswertung der Daten ist doch ganz interessant.

 

Was weiß Google

Liegt Google bei meinem Geschlecht und Alter noch richtig, so kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, wie es (kann man Google egtl als es bezeichnen?) darauf kommt, dass ich auf Bollywood und südasiatische Filme stehe. Bitte!? Ohne diskriminierend sein zu wollen oder so, aber Bollywood ist wirklich die letzte Kategorie von Film, die mich interessiert. Dass ich bevorzugt französische Filme schaue, ist Google wohl entgangen. Und Computer und Elektronik als weitere Interessen – na, da kann ich mir auch spannenderes vorstellen.

Interessant ist auch, dass Google mitbekommt, dass ich vor kurzem in Norwegen im Urlaub war und dort den Rechner meines Freundes – mit Linuxbetriebssystem – benutzt habe, statt wie üblicherweise Windows. Wann ich wonach auf Google gesucht habe wird mir angezeigt, wobei mich überrascht hat, dass unter häufigste Suchanfragen gleich als erstes “Jakob Kolding” aufgelistet war. Ich musste daraufhin gleich nochmal googeln (googlen?) , wer das überhaupt war – und siehe da: ein Künstler, nach dem ich meiner Erinnerung nach ein einziges Mal im Web gesucht habe. Ist da etwas schief gelaufen bei den statistischen Auswertungen? Durch die Verknüpfung mit YouTube lässt sich auch schnell raus finden, welche Videos ich in der letzten Zeit gesucht und schlussendlich auch angesehen habe.

Im großen und ganzen gab es also nur einige wenige Überraschungen. Klar ist, dass Google die Auswertungen anhand von unseren Suchanfragen und Seitenaufrufen, Klicks auf Werbung etc. erstellt. Dass dabei nicht all unsere tatsächlichen bzw. viel gewichtigeren Interessensgebiete klar zum Vorschein treten, ist verständlich. Wobei man sich vll auch fragen sollte: Wieso? Liegt mein Interessensgebiet nicht vielleicht doch woanders, als ich immer denke? Denn warum sonst suchen wir bevorzugt nach Dingen, die uns unserer Meinung nach geringer interessieren als anderes. Warum weiß Google nicht, dass Nähen zu meinen Interessen zählt? Rufe ich diesbezüglich nie etwas im Internet auf, weil es sowieso ein praktisch orientiertes Interessensgebiet ist und mir das Internet da nur wenig weiterhelfen kann, sondern ich es einfach machen muss. Oder ist es für mich doch weniger interessant, als ich dachte? Nein! Nur weil ich gewisse Dinge selten im Internet aufrufe, sei es, weil ich lieber Freunde dazu befrage, mir Dinge bei Freunden ausleihe, als sie  über Amazon & co. zu bestellen oder sonstiges. Gewisse Daten kann Google aus den verschiedensten Gründen eben doch nicht befassen und kennt uns daher nur minder gut bzw. hat ein verfälschtes Bild von uns.

 

Was weiß Facebook

Im Vergleich zu Google weiß Facebook fast noch besser bescheid – oder hat zumindest ausführlichere Auswertungen betrieben. Mein Alter zum Beispiel – Tag genau wird mir bei der WolframAlpha-Auswertung aufgezeigt, wie alt ich bin und in wie vielen Tagen ich wieder Geburtstag habe. Ich könnte mir nun also eine Art Adventskalender bis zu meinem Geburtstag anlegen. Na, wie wäre das?!

An welchem Wochentag, um welche Uhrzeit poste, kommentiere, teile ich am häufigsten. Habe ich Links gepostet oder Status updates? In welchem Monat sind die Aktivitäten wie oft aufgetreten. Wie oft wurden meine Posts geliked oder kommentiert, wie viele Wörter bzw. Zeichen nutze ich im Durchschnitt für einen Post, und und und. WolframAlpha wertet wirklich ALLES aus. Aber eben alles auch Daten, die ich bewusst auf Facebook online Stelle und die solche Auswertungen ermöglichen. Bezüglich Überwachung kann cih da also niemand geringeren bezichtigen, als mich selbst. Auch die WordCloud, die WolframAlpha erstellt hat, gibt einiges über mich preis…durch mein ‘Verschulden’.

Auch meine Freunde kommen nicht ungeschoren davon. Eigentlich ist es mal ganz spannend, einen Überblick darüber zu bekommen, wie viele der Facebook-Freunde egtl. weiblichen bzw. wie viele männlichen Geschlechts sind und was diese für einen Beziehungsstatus haben. Aber mal im Ernst: wozu? Hätte mir WolframAlpha das nicht aufgezeigt, wäre es mir egal bzw. weiß ich es von den einzelnen, mir wirklich wichtigen Personen ohnehin. Eine statistische Auswertung brauche ich darüber wirklich nicht. In welchen Altersklassen sich meine Freunde bewegen, weiß ich auch und ich weiß es sogar besser. Das Schnubbel Bubbel keine 15 mehr ist und Pre Naz noch lange nicht 85 ist scheinbar nur in sozialen Netzwerken ein Geheimnis. Sorry Facebook, verarscht.

Dass ich mit manchen meiner Facebook-Freunde im realen Leben dann leider doch weniger zu tun habe (mittlerweile – denn ich habe keinen Facebook-Freund, den ich nicht vorher in real irgendwo irgendwann kennengelernt habe) merke ich dann leider doch spätestens an der Stelle, als mir WolframAlpha die häufigsten Nachnamen meiner Freunde aufzeigt. Zwei Leute mit dem Nachnamen Fuchs, zwei mit dem Namen Döring, zwei mit dem Namen Bergmann…und mir fiel jedes Mal nur eine Person zu dem Namen ein. Da musste ich selbst erstmal auf Facebook schauen, wer die jeweilige zweite Person ist. Dies hat mir bewusst gemacht, dass ich mal wieder einige Freunde ‘löschen’ sollte. Raus aus Facebook, raus aus dem Leben, denn mal ganz im Ernst – man ist über Facebook vernetzt, um in Kontakt zu bleiben, aber mit vielen hat man nur noch den Timeline-Kontakt, der manchmal ganz schön nervig sein kann. Mir doch egal, was es heute bei Hinz und Kunz zum Mittag gab. Mails schreibt man sich dann doch nicht. Bei einigen Leuten aus meiner Freundesliste würde mir ehrlich gesagt bestimmt nicht einmal auffallen, wenn sie nicht mehr bei Facebook sind oder mich zuerst gelöscht haben. Ich denke so bei 290 Facebook-Freunden. Ob es meinen Facebook-Kontakten, welche über 1000 Facebook-Freunde haben, auch so geht!? Oder geht es denen mehr darum, Freunde zu ‘sammeln’. Nach dem Motto: wer die meisten Freunde hat, gewinnt.

Wenn man bei der WolframAlpha-Auswertung übrigens auf den Namen eines Freundes klickt, dann kann man auch eine Auswertung derer Aktivitäten (teilweise) einsehen.

 

Fazit

Mein Fazit nach diesen vielen Einsichten: Ich habe durchaus einige neue Dinge erfahren, allerdings nichts, was ich nicht auf irgendeine Weise selbst hätte rausfinden können. Interessant sind solche Informationen sicherlich für Firmen, Unternehmen und Organisationen. Während meines Praktikums am Goethe-Institut zum Beispiel, wurden Facebook-Posts des Instituts bevorzugt vor Feierabend getätigt, da zu dieser Zeit scheinbar die größte Resonanz an ‘Gefällt mir’s und Kommentaren kam. Mit Hilfe einer solchen statistischen Auswertung, die nicht auf einzelne Personen, aber auf verschiedene Personengruppen bezogen ist, könnten die Facebookaktivitäten der Organisationen noch gezielter getätigt werden, um ein noch größeres Publikum zu erreichen.

Facebook und Google wissen jedoch nur, was wir sie auch wissen lassen. Dass diese Daten gespeichert werden ist diskutabel, aber nichts Neues. Wer dies also vermeiden möchte, sollte versuchen seine Aktivitäten in sozialen Ntzwerken einzuschränken. Bzw. falsche persönliche Daten angeben – ich weiß nicht, ob das rechtens ist, die beiden Konzerne scheinen es jedoch nicht zu bemerken oder für weniger relevant zu halten. Ich für meinen Teil sehe jedoch durch diese Auswertung keinen Grund, meine ohnehin geringen Aktivitäten einzuschränken. Ich werde aber demnächst mal meine ‘Freundesliste’ überarbeiten, wies aussieht.

Du willst auch mehr über dich und dein Online-Leben erfahren!? Dann schau mal bei WolframAlpha vorbei.

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One thought on “Facebook und Google – NSA 2.0

  1. Die Erkenntnisse sind sicher richtig und die Aufgabe soll auch nicht dazu führen, Aktivitäten einzuschränken, sondern Bewusstsein zu schaffen. Neben den angezeigten Daten bin ich mir sicher, dass noch mehr gespeichert wird. Nich ohne Grund hat heiße damals das 2-Klick-Social-Button-Plugin geschaffen http://www.heise.de/ct/artikel/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html : auch wenn man nicht auf Like-Buttons klickt, können diese bereits Verbindungsdaten aufzeichnen. Auch Google hat über Android sicher einen sehr viel größeren Datenschatz, als uns gezeigt wird. Dennoch: man muss Nutzen und Gefahr gegeneinander abwägen. Die Bedenken kommen hinzu, wenn Daten Anderer ins Spiel kommen, bspw. von Schülern…

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