Freundschaftsanfrage: Schüler

Ich erinnere mich noch gut daran. Wir entdeckten damals – wir waren in der Kursstufe, als soziale Netzwerke sozusagen noch in den Kinderschuhen steckten – plötzlich das Profil unserer Ethiklehrerin in einem der VZ-Netzwerke. “Waaaaaaaaaaaaas?”, “Haha, was macht die denn hier” und “Komm, wir schreiben ihr mal ‘ne Nachricht” waren da wahrscheinlich die häufigst genutzten Phrasen. Auf jeden Fall waren das Getuschel und die Gerüchteküche stark am brodeln. Ein Lehrer vertreten in sozialen Netzwerken. Das gibt es doch nicht! Aber ist das heutzutage wirklich noch so absurd?

Ich denke, wenn Schüler ihre Lehrer auf Facebook finden, ist die Neugier zunächst immer sehr groß. Man könnte ja was spannendes privates über den Lehrer erfahren. Ob die Englischlehrerin auch Fotos von ihrem letzten Mittagessen postet? Ob sie sich vielleicht sogar darüber beschwert, wie furchtbar lustig Hans-Peter’s Aussprache heute schon wieder war? Und Mensch, die ist ja jünger, als ich gedacht hätte, die Frau Lehrerin! Warum ihr also nicht eine Frenudschaftsanfrage schicken, um mehr herauszufinden. Doch wie ist diese virtuelle Freundschaft zwischen Lehrern und Schülern zu sehen? Sollte nicht eine Grenze zwischen Schule/Arbeit und Privatem gezogen werden?

Ich zähle zu meinem Freundeskreis viele angehende Lehramtsstudenten, die ihre Facebook-Profile mehr oder weniger aktiv nutzen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich noch niemand von ihnen Gedanken darüber gemacht hat, wie sie mit Facebook umgehen werden, wenn sie dann tatsächlich Lehrer sind. Dies ist meiner Meinung nach jedoch etwas, was jeder einmal machen sollte. Deshalb habe ich kurzer Hand eine kleine Umfrage bei Facebook gestartet, was sie zu Lehrer-Schüler Freundschaften auf Facebook halten. Die Resonanz ist bisher gering, eine Freundin schreibt jedoch, sie müsse dann wohl seriöser werden, was Facebook betrifft.

Im Großen und Ganzen würde ich behaupten, dass jeder Lehrer für sich selbst wissen sollte, wie er mit seinem Facebook-Account und auch mit Schülern auf Facebook umgeht. Man mutet ihnen schließlich genug Vernunft zu. Wenn die Schüler einen Einblick in das Privatleben der Lehrer bekommen, ist das durchaus nicht verkehrt. Auch umgedreht gibt es daran nichts auszusetzen. So verstehen sich Lehrer und Schüler in manchen Punkten vielleicht besser und kommen sich in gewisser Weise näher. Ein gutes und gesundes Lehrer-Schüler-Verhältnis wünscht man sich doch. Allerdings sollten die Lehrer darauf achten, dass die Schüler nicht z.B. Bilder von der letzten Party finden, auf der der Lehrer betrunken auf den Tischen tanzt. Dementsprechende Privatsphäreeinstellungen sollten also vorgenommen werden. Schließlich muss man das Foto als Lehrer nicht mal selbst hochladen, sondern muss lediglich von jemandem darauf verlinkt worden sein o.ä. Es ist in jedem Fall darauf zu achten, dass die Autorität des Lehrers nicht untergraben wird.

Auch wie die Lehrerin im Artikel der Süddeutschen Zeitung schreibt, ist es meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit für die Schüler, den Lehrer zu kontaktieren, wenn es Probleme in der Schule gibt. Die meisten Schüler nutzen Facebook nun mal täglich. Da ist es doch am unkompliziertesten, dem Lehrer auch bei Facebook zu schreiben, als extra noch das E-Mailpostfach zu öffnen und die Mailadresse des Lehrers rauszusuchen, die er einem vor 3 Jahren mal beiläufig im Unterricht genannt hat. Die Lehrer, die den E-Mailverkehr bevorzugen, die verweisen die Schüler darauf bzw. antworten nicht bei Facebook, wenn sie dort wegen Problemen angeschrieben werden, sondern haben im besten Fall die Mailadressen aller Schüler und reagieren dann per Mail.

Nachvollziehen kann ich das Verbot Reihnland-Pfalz’s jedoch. Noten oder ähnliche schulische Angelegenheiten sollten nicht über Facebook diskutiert werden. Dazu müsste jedem Schüler die Möglichkeit geboten sein, einen Computer zu besitzen ud sich bei Facebook anzumelden. Um Benachteiligungen zu vermeiden. Man kann jedoch nicht von jedem Schüler verlangen, sich einen Facebook-Account zuzulegen. Schule ist eben doch immer noch Schule und sollte nicht zu starken Einzug in solch doch private Netzwerke wie Facebook erhalten. Nicht auf schulischer Ebene. Auf privater Ebene wie gesagt, sollte das jeder für sich selbst entscheiden.

Schüler nutzen Facebook jedoch, wie bereits schon erwähnt, auch dazu, Lehrer aufgrund schulischer oder vielleicht auch privater Probleme zu kontaktieren. Sei es, dass sie in der Schule gemobbt werden oder von ihren Eltern zu Hause unter sehr starken Leistungsdruck gesetzt werden, mit dem sie nicht umgehen können. Da andere Schüler in der Pause eventuell mithören könnten, trauen sich die Schüler nicht, den Lehrer direkt anzusprechen. Der Lehrer gibt den Schülern  für solche und andere schulische Belange eine Mailadresse, unter der sie ihn jederzeit kontaktieren können. Nun haben wir jedoch wieder das Problem der Gleichberechtigung. Nicht jede Familie kann sich einen Computer leisten. Daher fände ich es eine gute Investition, wenn es an jeder Schule sagen wir mindestens fünf Computer gäbe, die den Schülern zur Nutzung bereit stehen. Und damit meine ich nicht die Computer, die hinter verschlossenen Türen für den Informatikunterricht gebrauhct werden, sondern Computer, die auch nach dem Unterricht für Schüler zugänglich sind. Somit hätten Schüler, die keinen PC zu Hause haben nicht nur  die Möglichkeit, den Lehrer per Mail zu kontaktieren, sondern auch, Material für den nächsten Kurzvortrag zu sammeln oder freie Übungsaufgaben (OER) aus dem Internet auszudrucken.

Ok, meine Gedanken zu dem Thema sind vermutlich ziemlich wirr. Ich habe einfach niedergeschrieben, was mir just in dem Moment in den Kopf kam. Ums also nochmal kurz und gut zu sagen: Ich bin für eine bedingte Schüler-Lehrer-Freundschaft auf Facebook.

7 thoughts on “Freundschaftsanfrage: Schüler

  1. Wo du das so beschreibst, musste ich selbst mal nach alten Lehrern von mir suchen und habe doch tatsächlich meinen letzten Klassenlehrer gefunden. Einige meiner alten Klassenkameraden stehen sogar auf seiner Freundesliste. Ich denke, sobald man mit der Schule fertig ist, verändert sich das Lehrer/Schüler Verhältnis ganz extrem. Vor allem weil man selbst erwachsen wird und dann eher auf einer Stufe mit dem früheren Lehrer steht. Generell empfinde ich es so, dass die Beziehung zwischen Schüler und Lehrendem immer enger wird. Sie ist jetzt schon “intimer” als noch zu meiner Schulzeit oder der meiner Eltern. Ich meine, ich dutze meine ehemalige Biolehrerin heute. Das ist mir mittweilen schon etwas gruselig. Vor allem wenn ich dann darüber nachdenke, wie das in Zukunft sein wird. Wenn meine Kinder mal zur Schule gehen, werden sie ihren LehrerIn dann ebenfalls schon von Anfang an einfach dutzen? Das kennen sie ja nicht anders. Ich studiere zwar nicht auf Lehramt, aber bei dem Gedanken so gesiezt zu werden, komme ich mir ziemlich alt vor.
    Deine Überlegungen finde ich übrigens gar nicht so wirr. Alles gut nachvollziehbar und besonders wichtig fand ich eigentlich den Punkt mit der Gleichheit. Dass nicht jeder einen Computer hat, wird glaube ich auch sehr sehr oft vergessen. Dann kommen immer die Argumente mit PCs in Bibliotheken oder Internetchafes. Aber das ist noch was Anderes. Selbst in der Schule benutzt man den Computer so ganz anders, als in der Schule. Ich glaube, dass wird in der Zukunft noch zu Problemen führen. Gerade wenn der PC immer wichtiger für die Schule und auch in der Schule direkt mehr Präsenz hat. Ich hatte damals ein Halbjahr lang Informatik. Das wars. Heute gibt es ganze Räume ausgestattet mit den Geräten an denen normaler Unterricht stattfindet. Wenn ich alt und grau bin, muss jedes Kind wissen, wie man mit sowas umgeht. Da wird’s ein mächtiges Ungleichgewicht geben.
    Uh, ich kann mich echt nicht kurzfassen, sorry^^”

    • Bezüglich der Computerfrage muss ich Dir widersprechen: Zum einen finde ich, dass diese blöde Argument “Aber es vielleicht jeder einen Computer” verdammt oft kommt. Zum anderen ist dieses Argument auch quatsch. Statistiken belegen: Nahezu jeder Haushalt hat mindestens einen Rechner, völlig unabhängig von Haushaltseinkommen oder sozialem Milieu. Letzte Woche erschien die diesjährige JIM-Studie: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf13/JIMStudie2013.pdf –> 100% der Haushalte haben einen Rechner (2012 waren es 100%, dieses Jahr 99%, meiner Meinung nach Messfehler, weil ich nicht glaube das 1% der Familien ihren Rechner abgeschafft haben und wenn dann nur, weil es genügend Tablets für alle Familienmitglieder gibt)

      • Das stimmt aber so nicht. Ich kenne mindestens 5 Familien, die keinen Rechner haben. Drei davon überlegen, ob sie sich einen anschaffen, aber noch haben sie keinen. Außerdem heißt Rechner nicht auch gleich Internet. Also es kann sein, dass es super viele sind, fast alle sogar, aber nicht alle. Und selbst bei denen die einen Rechner und Internet haben, die Verbindung ist nicht immer die Beste. Meine eigene gibt immer wieder auf. Der Vortrag gestern z.B. also am 03.12. war super spannend und ich habe immer nur die Hälfte mitbekommen, weil mein Netz mal wieder sehr unstabil war. Ich denke wirklich, das wird unterschätzt und ist ein sehr wichtiger Faktor.

      • Es kann sicher sein, dass es Familien gibt, die keinen Rechner haben, aber ich denke das ist die Ausnahme. Vor allem arbeiten wir ja an und für die Zukunft, möchten Zukunft gestalten. Und in der Zukunft werden wir wohl keine Haushalte (mit Kindern, die in formalen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule lernen) mehr finden, die nicht entweder mobil oder stationär Zugriff auf digitale Medien haben. Gerade der Ausbau mobiler Netzwerke (LTE-Technologie) wird zunehmend auch die digitalen Lücken auf dem Land schließen.
        Schauen wir also mehr nach vorn und bearbeiten Fragen, die uns in der Zukunft beschäftigen, als Fragen, die ohnehin aussterben werden.

      • Ich glaube ja auch, dass immer mehr ausgebaut wird und sicherlich nimmt die Zahl der Familien, die vernetzt sind, immer weiter zu. Aber: selbst in Dresden, dieser Großstadt, gibt es noch so viele Straßen, wo der Zugang zum Netz schwierig ist. Dieser “alles geht übers Internet” Gedanke geht meiner Meinung nach einfach zu schnell. Ich denke immer noch, dass unterschätzt wird, wie sehr so mancher da zurück bleibt. Es gibt ja auch Leute, die mögen das Internet nicht. Das ist dann natürlich eine Wollens und keine Könnens Sache, aber das gehört mit in das Thema. Wie kann man also das Internet solchen Leuten schmackhafter machen? Einige wird man bekehren können, aber wenn jemand Rosenkohl nicht mag, wird man es ihm auch nicht unterjubeln können. Bei dem Gedanken an die Zukunft sollte man sich eben nicht allein auf eine Möglichkeit beschränken. Also die des Internets und der totalen Vernetzung. Das erreicht nicht alle Menschen und Leute werden ausgelassen. Manche Kinder wollen ihre Zeit vielleicht einfach nicht am Computer absitzen. Manche Studenten lernen einfach lieber mit einem Buch als mit dem Internet. Da nehme ich jetzt all diejenigen raus, die das allein aus Gewohnheit tun. Ich bin mit dem Medium aufgewachsen und ich nutze es jeden Tag. Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Aber ich halte 100 mal lieber ein Buch in der Hand. Ein echtes Buch und kein Tablet. Da bin ich schon im Nachteil. Zumindest, was diese Zukunft angeht von der du sprichst. …Ich hoffe, ich bin jetzt nicht zu sehr gesprungen. Uh, und ich entschuldige mich jetzt schon mal, falls ich zu angriffslustig rüber komme.

      • Erstmal danke für Deinen Kommentar und ich finde es überhaupt nicht angriffslustig, sondern richtig gut, dass wir hier auch mal über die Grundfragen diskutieren. Weil, klar, wenn die Menschen die digitalen Medien nicht akzeptieren, dann brauchen wir uns auch keine Gedanken um Lernen 2.0 machen. Aber dennoch glaube ich nicht, dass es so ist oder so werden wird.

  2. Sehr spannender Beitrag. Das Verhalten “Wie, der Lehrmeister ist auch online?” Ist auch in Studienzeiten noch gut zu beobachten. Erst letztes Semester besuchte ich eine Kommunikationsvorlesung, in der der Prof. bereits in den ersten Stunden nebenbei immer sein Facebookprofil im Tab geöffnet hatte. Raunen in allen Reihen, als er dies öffnete, während eine “Gruppenarbeit” gelöst werden sollte. Die Frage stellte sich natürlich, warum man sein Profil auf dem Beamer öffnet muss.

    Während es noch immer ein Problem ist, wenn Profs. ein Facebookprofil haben, wird es schlichtweg hingenommen, wenn Tutoren eines besitzen und preisgeben. Natürlich, schließlich sind sie in “unserem” Alter. Wird der Tutor allerdings “Juniordozent”, ist es schon wieder aufregend, sein Profil zu durchstöbern. Liegt das vielleicht daran, dass wir Respekt vor der höheren Stellung haben?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s